Mittagsschlaf im Kino: "Power-Napping" noch wenig gefragt Von Gregor Tholl, dpa (05.01.2005)
Frankfurt/Main (dpa) - Es ist für gestresste Großstädter in der Mittagspause gedacht: Ins abgedunkelte Kino gehen, Augen schließen, 20 Minuten autogenes Training machen und danach wieder fit ins Büro zurück. Doch was sich das Kino-Center Cinestar Metropolis vor einigen Wochen unter dem Namen "Power-Napping" ("Energie- Nickerchen") ausdachte, hat sich noch nicht durchgesetzt. Bisher hat kaum jemand das drei Euro teure Angebot wahrgenommen. Dennoch will das Metropolis die Siesta im Kinosaal, bei der die Leinwand leer bleibt, vorerst im Programm behalten.
"Wir dachten, dass die Leute gerade in der stressigen Weihnachtszeit vielleicht mal Erholung suchen und zu uns kommen. Doch da haben wir uns getäuscht", räumt Kinochef Stefan Burger ein, der das Nickerchen am 1. Dezember aus der Taufe hob. Das Schläfchen im Kinosessel mit leiser Musik und Wellenrauschen vom Band endet mit einer sanften Stimme, die einen wieder "zurück in die Stadt" holt.
Das Konzept stammt von dem Lübecker Neurologen Fritz König und dessen Kollegen Ulrich Feldtmann. Viele Deutsche - so glauben sie - beneiden die Menschen in den Mittelmeerländern als "Mittagsschlaf- Spezialisten". Warum also nicht in Deutschland eine Siesta in der Innenstadt anbieten? Statt in der Mittagspause durch die City zu hasten und ungesundes Essen zu sich zu nehmen, sollen die Leute ihrer Meinung nach lieber einige Minuten Tiefenentspannung genießen. Zusätzlich gibt es im Kino auf Wunsch ein Menü mit Bio-Lebensmitteln von Buttermilch bis Wok-Gemüse - alles zusammen kostet 7,50 Euro.
Die Kino-Kette Cinestar wiederum sieht in dem "Power Napping"- Angebot zugleich die Chance, die zur Mittagszeit leeren Vorstellungssäle zu füllen. Bisher ist das Nickerchen im Kinosaal aber ein Verlustgeschäft, da die eigens abgestellten Mitarbeiter oft niemand zu umsorgen haben. Im Januar will das Kino nun mit gezielten Werbeaktionen in Büros, vor allem bei Banken, für das Projekt werben. Noch glaubt man an "das innovative Konzept".
Bei den Kirchen allerdings glaubt man nicht an das Projekt: "Es braucht keine bezahlte halbe Stunde Mittagsschlaf, wenn man mal abschalten oder zur Ruhe kommen will", sagt die Sprecherin der Katholischen Stadtkirche, Doris Wiese-Gutheil. In Frankfurt gebe es zum Beispiel jeden Dienstag ein Mittags-Gebet für Banker und Manager im Westend. Außerdem verweist sie auf das tägliche Mittagsgebet in der Liebfrauenkirche zwischen Hauptwache und Römer.
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