Der Muntermacher aus Lübeck: Energie-Nickerchen für Mitarbeiter Lübecker Nachrichten, Meike Patalong, 23.01.2005
Die monotonen Klänge tragen die Hektik davon. Die Besucher lassen die Schultern hängen, rutschen entspannt in die Sessel. Mit geschlossenen Augen lauschen sie den Geräuschen aus der Natur. Meeresrauschen und Tonfolgen begleiten die Zuhörer in ihre Träume. Die Gedanken drehen sich nicht mehr. Der Arbeitsstress und der Familieneinkauf rücken in weite Ferne. Die Besucher atmen auf - aber nur kurz. Nach 20 Minuten ist die Siesta vorbei. Die Besucher kehren an ihre Arbeitsplätze zurück. Motiviert und ausgeruht machen sie sich an die Aufgaben der zweiten Tageshälfte. Das "Powernapping" oder "Energienickerchen" im Frankfurter Kino Cinestar Metropolis ist einmalig in Deutschland. Lübecks Filmpaläste eignen sich nicht, denn der Großteil der hanseatischen Firmen befinden sich nicht in ihrer Nähe. Allerdings hat ein Lübecker diese Tiefenentspannung nach der Ruhemoment-Methode entwickelt. Dr. Fritz König ist Arzt für Neurologie und Psychiatrie.
Der Kurzschlaf in einer ähnlichen Form kommt aus Amerika. Die positiven Folgen für den Menschen sind wissenschaftlich bewiesen. "Unsere körperlichen, geistigen und seelischen Aktivitäten unterliegen natürlichen Rhythmen in unterschiedlichen Zeitlängen", erklärt König. "Die ultradianen Rhythmen liegen im Stundenbereich. " So regeneriere sich der Mensch nach einer Aktivitätsphase von 90 bis 120 Minuten rund 20 Minuten lang und sei dabei nur vermindert leistungsfähig, erklärt der 58-Jährige. Neu sind diese Erkenntnisse nicht. In Italien und Spanien ist der Mittagsschlaf zur heißesten Zeit des Tages Teil der Kultur. In Japan gehört das Nickerchen in der U-Bahn ebenso zum Alltag. Selbstverständlich ist die Mittagsruhe auch in China. In der Volksrepublik ist die Siesta sogar ein Grundrecht. Durch die Industrialisierung ist der Mittagsschlaf jedoch verdrängt worden. Nur Kinder kommen in den nordeuropäischen und nordamerikanischen Staaten noch in diesen Genuss. Dabei hat das "Powernapping" durch seinen Energieeffekt vor allem für Firmen und ihre Mitarbeiter große Vorteile. Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Übergewicht und Suchtverhalten werden vermindert. Frustration, Gereiztheit und mangelnde Produktivität werden verhindert. Die Beachtung der Bedürfnisse steigert die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit. Das Mittagsschläfchen wirkt präventiv gegen Dauerstress und steigert die Innovationskraft. Außerdem darf die Energiepause nicht länger als 20 Minuten dauern. "Bei einem Nickerchen über 30 Minuten fällt die Konzentration nach kurzem Anstieg wieder rasch ab", sagt König, der die Tiefenentspannung nach der Ruhemoment-Methode mit seinem Kollegen Dr. Ulrich Feldtmann aus Lübeck vor drei Jahren entwickelt hat und verschiedene Musik-CDs für die Ruhephasen zusammengestellt hat.
Und obwohl Mitarbeiter das Energie-Nickerchen schnell in der Mittagspause erledigen könnten, sehen Lübecker Unternehmen keine Notwendigkeit dafür. Dr. Welf Böttcher, Konzernsprecher der Drägerwerk AG erklärt: "Neue Studien und Erkenntnisse zum Thema betriebliches Gesundheitswesen verfolgen wir generell sehr interessiert, und das Thema Büroschlaf ist nicht neu. Wir setzen aber eher auf unsere Angebote zum Beispiel im Bereich des Betriebssports, um Stress abzubauen und vorbeugend tätig zu sein. " Auch Campbell's Germany steht mitarbeiterfreundlichen Trends wie diesem durchaus offen gegenüber. "Es gibt bei uns im Haus jedoch keine konkreten Maßnahmen", sagt PR-Managerin Sabine Bretzke. "Allen Mitarbeitern steht frei, ihre Pausen so zu nutzen, wie es für sie am angenehmsten ist. "
Für die Lübecker Arbeitnehmer bleibt nur eins: Legen Sie sich im Büro zurück, und träumen Sie vom Meeresrauschen der Ostsee. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.ruhemoment.de.
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